In zentraler Lage Berlins ist ein neues Stadtquartier erwacht: das Forum Museumsinsel.
Das Haupttelegraphenamt, ein imposanter neobarocker Block der späten Jahrhundertwende, dominiert den nördlichen Teil des Forums. Der Bau an der Oranienburger Straße wurde 1916 als damals aufwändigster Postbau Deutschlands eröffnet. In der Nachwendezeit stand das Gebäude mit der neobarocken Fassade leer.
Aus dem stillgelegten Postbau wurde ein Haus mit Hotel und Gastronomie, Büros, einem Fitness- und Wellnessbereich und Wohnungen. Die beiden Innenhöfe wurden überdacht und zu lichten Hallen. In den Sälen der Obergeschosse wurde eine Zwischenebene eingezogen, im Dachbereich wurden zwei neue Geschosse errichtet. Zugleich blieb die Substanz des Denkmals bestimmend – die opulente Repräsentationsarchitektur des späten Wilhelminismus ebenso wie die technisch anspruchsvollen Konstruktionen der frühen Moderne, deren genietete Stahlträger und Kappendecken heute wieder offen zutage treten.
Die eigentliche Herausforderung lag im Gestalten mit dem Denkmal. Nahezu jede Maßnahme, von der Statik bis zum kleinsten Detail, war mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen – bei einem Bauwerk dieser Größe und Komplexität ein Verfahren über unzählige Einzelentscheidungen. Kaum eine Lösung ließ sich einem Katalog entnehmen; nahezu jede wurde für dieses Gebäude entwickelt, bis hin zu handgefertigter Natursteinornamentik und Kapitellen im Aluminiumguss. Planen und Bauen in einem solchen Denkmal ist um ein Vielfaches aufwendiger als ein Neubau und setzt Erfahrung im Umgang mit historischer Substanz voraus.
Für die neue Nutzung wurde das Haus bis in seinen Kern hinein aufgearbeitet und weitergebaut. Was dabei entstand, sucht nicht den Kontrast zum Bestand, sondern wurde aus diesem Bestand heraus entwickelt und für diesen Bestand entworfen. Genau daraus entsteht die Selbstverständlichkeit, mit der das Haus heute dasteht und angenommen wird.
Entstanden ist kein konserviertes Denkmal, sondern ein Gebäude, das wieder lebt. Im Hotel Telegraphenamt empfangen individuell gestaltete Zimmer und Suiten ihre Gäste, in der glasüberdachten Halle wurde das Restaurant Root rasch zu einem Treffpunkt der Stadt, und hinter der historischen Fassade arbeiten Unternehmen in Büros auf technisch hohem Standard. Der Guide Michelin, der seit einigen Jahren auch Hotels bewertet und dem Haus zwei Keys zuerkennt, hebt hervor, wie frei sich hier historische Substanz und klassische Moderne verbinden – ein perfektes Sinnbild für das historische Patchwork des heutigen Berlins. Falstaff kürte es 2026 zum besten Designhotel Deutschlands. Aus einem lange leerstehenden Baudenkmal ist wieder ein Ort geworden, an dem sich Berlin begegnet. MICHELIN Guide