Post Yard


Typologie
Büro, Sonstige, Wohnen
Adresse
Köpenicker Straße 131
Ort
Berlin-Mitte
Status
In Realisierung
Bauherr
BUWOG
Leistungen
1-5
Fläche
32.000 BGF
Jahr
2027

 

Auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist das Areal zwischen der Spree und der ehemaligen Teilungsgrenze sogar für manche Berliner ein weißer Fleck auf der Landkarte. Während die nördlich angrenzende Stadtmitte in der Zeit fast vollständig wiederhergestellt wurde, und das südlich angrenzende Kreuzberg weit über die Stadt hinaus als Motor der Berliner Kulturszene bekannt ist, blieb die Luisenstadt ein wenig beachteter Überrest der geteilten Stadt. Der Berliner Senat identifizierte die Gegend rund um die Köpenicker Straße als einen der letzten fehlenden Puzzlesteine der Stadt. Um diesen Missstand zu beheben, wurde Jahr 2013 das Areal zu einem offiziellen Sanierungsgebiet erklärt.

Das Gelände des ehemaligen Postfuhramtes erstreckt sich von der Köpenicker Straße quer durch den Block bis zur Melchiorstraße. Für beinahe 100 Jahre schwirrten kleine Postfahrzeuge über den Hof und nahmen die Briefe und Pakete auf, um diese in der Umgebung zu verteilen. Zuerst wurden die Wagen von Pferden gezogen, doch schon bald in den 1920er Jahren stellte die Post auf einen elektrischen Betrieb um. Das, was noch heute wie Zukunftsmusik klingt, war damals revolutionär. In dem zentralen Klinkerbau waren die Generatoren untergebracht, die den Strom zur Wiederaufladung der Batterien der Elektrofahrzeuge erzeugten.

Nach der Wiedervereinigung gab die Deutsche Post den Betrieb auf und überließ die baulichen Anlagen dem Verfall. Dreißig Jahre später wuchsen von den Blicken der Straße aus gut verborgen Bäume und Sträucher aus den verfallenen Schuppen.

Wie eine Kathedrale in einer mittelalterlichen Stadt steht die stolze Generatorenhalle im Block. Die Patzschkes war sofort davon überzeugt, dass hier eine neue Attraktion entstehen wird. Neue Gebäude sollen die Generatorenhalle umgeben und so die über Jahrzehnte vergessene Fläche in einen lebendigen Innenhof verwandeln.

Partizipation gehört zum Wesen des Sanierungsgebiets. Die Nachbarn sollen an der Gestaltung der Entwicklung teilnehmen. Deshalb wurden die Planungsideen frühzeitig der Öffentlichkeit und den eigens für das Sanierungsgebiet ins Leben gerufenen Gremien präsentiert. Erst die breite öffentliche Zustimmung zu den Ideen der Patzschke Architekten ebnete den Weg für die Planung. Die Architektur fügt sich ein. Der Städtebau ergänzt und komplettiert die vorhandene Struktur aus Blockrand- und Hofbebauung. Die Wiedererkennbarkeit der gründerzeitlichen Elemente der Kreuzberger Umgebung ist ein wichtiges Leitmotiv bei der Gestaltung der Fassaden.

So entwickelten die Patzschke Architekten ein Konzept aus acht Bauteilen. Die alte Generatorenhalle wird umgewandelt in einen hochwertigen Büro- und Gewerbestandort. Mit den Verantwortlichen im Sanierungsgebiet wurde vereinbart, einen Teil der Generatorenhalle mit einer öffentlichkeitswirksamen Nutzung zu bespielen. Eine gewisse Frequenz wird aus dem neu geschaffenen Stadtraum bald ein neues Stück Stadtlandschaft erschaffen. Am Eingang des Quartiers, an der Köpenicker Straße entsteht ein Bürogebäude mit Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss. Die Durchwegung wird von zwei Wohngebäuden begleitet. Drei Aufgänge im nördlichen Teil erschließen Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen. Jeder Aufgang erhält eine individuelle Fassade und damit eine unverwechselbare Adresse. Der südliche Teil ist für kleine Studioapartments vorgesehen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Kindergarten. Nördlich der Generatorenhalle bildet ein Büroflügel die Umrahmung des Hofplatzes. Östlich der Generatorenhalle, im hinteren Grundstücksteil entsteht ein Apartmentblock mit Fassaden, die in ihrer Gestaltung an die historischen Werkstattgebäude erinnern. Das Brückengebäude im Süden des Hofes hat seinen Namen nach der Unterquerung der öffentlichen Durchwegung erhalten und wird mit Schulungsräumen das Angebot der Büroflächen ergänzen. An der Melchiorstraße schmiegt sich ein weiteres Wohnhaus an die Brandwand der Nachbarn.

Wir freuen uns auf einen neuen, faszinierenden Ort mitten in der Stadt.